Alai

Roter Mohn

Roman
Aus dem Chinesischen von Karin Hasselblatt
»›Roter Mohn‹ ist ein großer Wurf, das Signal einer neuen tibetischen Literatur.« Ludger Lütkehaus, Neue Zürcher Zeitung
 Taschenbuch
€ 12.90, FR 19.90, €[A] 13.30
broschiert
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UT 340
512 Seiten
ISBN 978-3-293-20340-2
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Jeder weiß, dass der zweite Sohn des Fürsten Maichi ein Idiot ist. Als Thronfolger wird er nie zum Zug kommen. Umso unvoreingenommener beobachtet er seine Umgebung – die Festung des Fürsten im äußersten Osten Tibets, die rücksichtslose und grausame Feudalherrschaft, die in kleinliche Streitereien verwickelten Lamas, die Intrigen um schöne Frauen und die Fehden mit benachbarten Herrschern, die wechselnden Allianzen mit den Chinesen. In das entlegene Hochland dringt die Moderne lediglich als fernes Echo. Als ein Sondergesandter der chinesischen Regierung Fürst Maichi Mohn anbauen lässt, wird dieser unermesslich reich. Die betörende rote Mohnblüte und der Duft der reifenden Kapseln bringen Unruhe in das archaische Leben. Einzig der Idiot erkennt, dass sich das Ende einer Ära abzeichnet.
Zunächst von vielen chinesischen Verlagen wegen der heiklen politischen Thematik abgelehnt, wurde »Roter Mohn« 1998 ein Bestseller und 2000 mit dem wichtigsten chinesischen Literaturpreis, dem Mao-Dun-Preis, ausgezeichnet.

Stimmen

»Der Roman leistet für Osttibet, was Gabriel García Márquez für das Hinterland Kolumbiens oder Thomas Mann für das norddeutsche Kaufmannswesen geleistet hat – er setzt ein Land, eine Gesellschaft und eine (untergehende) Kultur auf die literarische Landkarte.«

Brigitte Helbling, Berliner Zeitung

»Alai hat einen großartigen, mitreißenden und überaus heiteren Roman geschrieben, in welchem Schönheit und Grausamkeit eng beieinander liegen und der bevölkert ist von einer Palette unvergesslicher und einzigartiger Figuren.«

Trigon, Zürich

»Wer den sanftmütigen, glücklich reinkarnierten Dalai Lama mit seiner Gutmenschenreligion vor Augen hat, wird ›Roter Mohn‹ als das Dokument eines anderen, alltäglichen Tibet mit Interesse zur Kenntnis nehmen.«

Der Bund, Bern

»Vom Mythos Tibet ist hier nicht die Rede, selbst die Begriffe ›Tibet‹ und ›Tibeter‹ kommen kaum vor. Der Roman ist in einer schwer beschreibbaren Weise poetisch und anziehend, wie schwebend in einem archaischen Raum, den die neue Zeit waffenklirrend und brutal auslöscht.«

Egbert Asshauer, Tibet-Forum, Bonn

»Die Erzählperspektive aus der Sicht des ›idiotischen‹ Fürstensohnes erweist sich als geniale Wahl Alais. Mit seiner kindlichen Naivität, die immer haarscharf zwischen Grausamkeit und Gutmütigkeit pendelt, lässt er den Leser teilhaben am Lauf der Geschichte.«

Hendrik von Boxberg, www.3sat.de/denkmal

»Gezeugt wurde er in ›ziemlich besoffenem Zustand‹ mit der chinesischen Zweitfrau, ›sodass ich wohl oder übel als fröhlicher Idiot durchs Leben gehe‹. Dieses ›wohl oder übel‹ zieht sich durch sämtliche Aspekte des Romans; viel vom Sprachwitz, von den ironischen und sarkastischen Dialogen und Überlegungen des so genannten Idioten speist sich aus dem Widerspruch zwischen mittelalterlicher Grausamkeit und dem mal menschlich, mal absurd (oder beides zugleich) anmutenden Empfinden des Erzählers.«

Gisela Schneckmann, Kommune, Frankfurt

»Die fernen und uns sehr fremden Welten Tibets schildert Alai mit großer Sachkenntnis von innen, ein in der Literatur so seltener Blick, dass man ihm schon dafür dankbar sein müsste. Dass sein Roman darüberhinaus noch so viel erzählerische Tiefe und so faszinierende Charaktere besitzt, ist einer der wirklich raren Glücksfälle der Gegenwartsliteratur.«

Märkische Allgemeine Zeitung, Potsdam

»Es ist die Leichtigkeit der Sprachführung, die fasziniert. Der Held als ›Idiot‹ ist unberechenbar und doppelbödig. In diesem packenden Tibet-Buch stehen für einmal nicht Religion und Mystik im Vordergund.«

Neue Luzerner Zeitung

»Die intensive Auseinandersetzung mit den einzelnen handelnden Personen, deren Charaktere, sowie mit der These: ›Ich weiß, dass ich nichts weiß‹ macht dieses Buch zu einem echten Kleinod.«

Magazin Fritz, Eschborn

»Mit großer Erzählkunst und unverblümter Ehrlichkeit gewährt Alai Einblick in die mystische Welt des östlichsten Gebietes von Tibet im vorigen Jahrhundert. Mitreißend und spannend werden allgemeine Denkanstöße eingebracht, wie gesellschaftliche Veränderungen unter dem Druck politischer Ideologien und alter Tradition entstehen.«

Gertraud Gugel, Bücherbord, Graz

»Der Autor hat mit seiner Hauptfigur einen außergewöhnlichen Charakter erschaffen, der durch seinen Status als ›Idiot‹ losgelöst von allen Zwängen des Konventionellen einen beeindruckenden Scharfblick entwickelt und seine ihm scheinbar intellektuell überlegenen Mitmenschen immer wieder beschämt. Alai versteht sich auf die Vermittlung von Atmosphäre, man vermeint den Hauch des Niedergangs, des Morbiden, regelrecht zu verspüren und verfolgt gespannt die Geschicke des Fürstenhauses Maichi bis hin zum bewegenden Finale.«

Michaela Grames, Österreichisches Bibliothekswerk, Salzburg

»Wie Dostojewski verleitet der 1959 in Nordszechuan geborene Autor Alai den Leser zum hingebungsvollen Eintauchen in die Welt seines Romans, eine Welt jenseits vertrauter Grenzpfähle und Maßstäbe. Auf Grund heikler Themen wie Spiritismus, Drogensucht, Autonomiebestrebungen im tibetischen Grenzland und genüsslichen Darstellungen von Sexualverkehr dauerte es zwei Jahre, bis Alais 1996 fertiggestelltes Romandebüt erstmals in China veröffentlicht werden konnte, wo es dann zum preisgekrönten Bestseller avancierte.«

Ralph Umard, tip, Berlin

»Alai bringt seine Erzählung zwar in historischem Setting, das solche Bilder zur Genüge evoziert — die exotische Karte wird satt ausgereizt —, aber die Bilder stimmen ethnografisch genau, und die Geschichte lebt von einer heutzutage seltenen vitalen Erzählfreude und poetischen Energie. Vor allem aber sind seine Tibeter keine folkloristischen Typen: In den Prachtgewändern und Elendslumpen der historischen Vergangenheit stecken sehr lebendige Menschen.«

Martin Zähringer, Der Bund, Bern

»Der Stoff bietet alles, was es für spannende Unterhaltung braucht: adlige Familien, heranwachsende Söhne, schöne Prinzessinnen, Liebe und Sex (selten gleichzeitig), Schlachten und Intrigen, Opium, Dolche, Pferde, Maschinengewehre...«

Dschungelbuch, Kaiserslautern

»Das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne wird in der Literatur anschaulich in Form von Familiensagas; in jedem Kulturkreis gibt es dafür grandiose Beispiele. Der tibetische Autor Alai fügt mit dieser rasanten, ernsthaften und zugleich tragischen Geschichte unbestreitbar ein Meisterwerk hinzu. Realität und Fantasie, Einfalt und Klugheit, Brutalität und Zärtlichkeit, Tradition und der Einfluss der Moderne werden geschickt zu einem großen Werk verwoben, dessen politische Ambition spürbar, aber nie vordergründig ist.«

Undine Materni, Sächsische Zeitung

»Ein fesselnder und schillernder Roman. Er zieht uns tief hinein in eine archaische Welt. Szenen von unglaublicher Grausamkeit wechseln sich ab mit lyrischen Beschreibungen der Landschaft und der Frauen. So bewegt sich der ganze Roman zwischen verschiedenen Extremen und auf mehreren Ebenen, die spannend miteinander verbunden und künstlerisch meisterhaft ausgestaltet sind.«

Dorothee Dauber, Süddeutsche Zeitung

»Allen Bibliotheken als hervorragendes Beispiel moderner ostasiatischer Gegenwartsliteratur empfohlen.«

Arne Rauscher, ekz-Informationsdienst, Reutlingen

»Alais große Kunst ist die der Bestürzung. Wer sich an den Ton erinnert, in dem Grimmelshausens naiver Simplicius die unerhörten Grausamkeiten des Dreißigjährigen Krieges schildert, hat eine Vorstellung davon, wie das funktioniert.«

Die Welt  Online einsehen

»Tibet ist anders. Alle schwärmerische Romantik und alle politisch korrekten Klischees gehören auf den Prüfstand. Der Roman ›Roter Mohn‹ stellt unser spirituell geprägtes Tibet-Weltbild auf den Kopf, seine Veröffentlichung in China und die dort erhaltenen Preise rückt unser China-Bild in ein anderes Licht. Alai bricht mit überkommenen literarischen Gewohnheiten. ›Roter Mohn‹führt in Sprache und Inhalt weit über die glattglobalisierte ›Weltliteratur‹ hinaus.«

Harald Loch, Südkurier, Konstanz

»Alais Roman besticht durch seine literarische Qualität, die sich insbesondere in einer subtilen Figurenzeichnung offenbart. In den Dialogen scheinen psychologische Muster auf, die immer erhellend und nicht selten auch erheiternd sind. Dieses 440-Seiten-Buch vereint romantische Motive des europäischen Ritterromans wie auch Spannungsmomente des klassischen Krimis, die konkrete Darstellung ist ebenso zu finden wie reflexive Passagen.«

Markus Bundi, Aargauer Zeitung

»Durch Narrenaugen betrachtet, erscheint das alte, unabhängige Tibet nicht im Weichzeichnerlicht idealisierender Verklärung – gleichzeitig treten die Soldaten der chinesischen ›Volksbefreiungsarmee‹ keineswegs als Befreier auf, sondern als Eroberer. ›Roter Mohn‹, ein ebenso respektloses wie kraft-und eindrucksvolles Erzählstück aus Tibet.«

Ulrich Klenner, Bayerischer Rundfunk, München

»An dieser Mischung aus fantastischem Epos und Entwicklungsroman faszinieren nicht allein die exotische Kulisse und die tief ausgeleuchteten Charaktere. Der Roman besticht durch eine glänzende Analyse der Macht. Schwung und Frische verdankt der Text dem saloppen Erzählton. Auch als Erzähler ist der Idiot ein Artist und Spieler.«

Benedikt Scherer, Tages Anzeiger, Zürich

»Ein großer Wurf, ein modernes Epos vom späten Ende des Feudalismus in Tibet.«

Martin Zähringer, Ver.di Publik, Berlin

»Zu feiern ist mehr als eine literarische Überraschung: ein großer Wurf, das Signal einer neuen tibetischen Literatur. ›Roter Mohn‹ ist ein lebenspraller großer Roman von nie ermüdenden 440 Seiten. Der hinreißende Sprachwitz, die Verbindung von durchsichtiger Höflichkeit mit lakonischer Schlagfertigkeit wird in der Übersetzung von Karin Hasselblatt glänzend wiedergegeben.«

Ludger Lütkehaus, Neue Zürcher Zeitung

»Der grandiose Roman des Tibeters Alai, der den Leser in den äußersten Osten Tibets entführt.«

Good Life, Wien

»Ein gewagter Roman.«

Wienerin

»Schön war dieses alte Tibet nur für seine Fürsten und deren Equipage. Aber Alai, der Biograf ihres Untergangs, hat es in ein sagenhaftes Buch verwandelt.«

Martin Zähringer, Die Tageszeitung, Berlin

»Tibet ist zwar in, aber meist beginnt und endet das, was wir darüber wissen, mit dem Dalai Lama. Alai füllt mit seinem unterhaltsamen Roman um die fiktive Maichi-Dynastie historische Lücken.«

Gala, Hamburg

»435 Seiten Prallheiten, spannende Lektüre! Auf eine längere Bahnfahrt mag man diesen Roman ›Roter Mohn‹ mitnehmen, auch für den Nachttisch und für einen Strandurlaub eignet er sich. Niemand muss lange und aufgesetzte Belehrungen über tibetische Historie oder innere Befindlichkeiten der Hauptpersonen befürchten, und jedermann kann sich an den vielen kurzen Geschichten erfreuen – und ihnen nachsinnen, auch im Hinblick auf Hintergründigkeiten.«

Hans Stumpfeldt, Hamburger China-Notizen

»In der opulent und mit klangvoller Sprache und Witz erzählten Geschichte richtet sich der Idiot als einzig Vernünftiger irgendwo im unwirtlichen Gelände zwischen Mittelalter und Moderne ein. ›Roter Mohn‹ bietet garantiert nicht die im Westen so beliebte Dalai-Lama-Folklore und ist auch, aber nicht nur deshalb empfehlenswert.«

Ingo Anhenn, Begegnung der Kulturen, Stuttgart

»Obwohl der Roman politische Parabel und historisches Sittengmälde zugleich ist, ist ›Roter Mohn‹ vor allem eins: ein üppig-lustvoller Schelmenroman, der jedoch den blutigen Untergang, in dem sich jede Geschichte der Macht zu vollenden scheint, nie an die dralle, bisweilen derbe Komik verrät.«

Claudia Kramatschek, Norddeutscher Rundfunk, Hamburg

»Eine Geschichte zum Genießen.«

Berner Zeitung

»Alai hat sich in seinem Erstlingswerk des heiklen Themas ›Tibet‹ angenommen. Er bewältigt es unglaublich bilderreich und malt mit saftigen Farben eine ferne Welt.«

Bücher, Essen

»Vergleichbar mit Giuseppe Tomasi di Lampedusas ›Der Leopard‹, zeichnet Alais Meisterwerk das Porträt einer überkommenen Feudalgesellschaft, die im Opiumrausch dem Untergang entgegendämmert.«

SonntagsZeitung, Zürich

»Dass diese freimütige, ja stellenweise leicht skandalöse Geschichte, die hier in ausgezeichneter deutscher Übersetzung vom chinesischen Original vorliegt, in der nach wie vor streng zensurierten Heimat des Autors anfänglich nicht eitel Freude auslöste, ist verständlich. Alai setzte sich jedoch mit seinem literarischen Erfolg gegen diese Widerstände durch, so dass der ›Rote Mohn‹ im Jahr 2000 mit dem wichtigsten chinesischen Literaturpreis ausgezeichnet wurde.«

Roland Nyffeler, Nepal Information Nr. 92, Köln

»Für jeden, der einmal in eine fremde Welt eintauchen möchte, einmal ein Buch lesen möchte, das nicht nach den üblichen Romanschemata europäischer Historienschinken gestrickt ist, ein Toptipp.«

Hans Peter Röntgen, www.literatur-fast-pur.de  Online einsehen

»›Roter Mohn‹ lässt ferne Welten erstehen, irgendwo zwischen dem duftenden Reich der Mythen und den düsteren Bildern der Geschichte.«

New York Times
 

Dokumente

Dies ist ein Liebling aus 40 Jahren

Tobias Tanner
Buch am Platz Winterthur
Weil... der zweite Sohn des Fürsten Maichi, der ein Idiot ist, einer meiner liebsten Hauptfiguren überhaupt ist. Als das Buch 2005 erschien, war der Dalai Lama zu Besuch in Zürich. In der Buchhandlung türmten sich Bücher vom und über den Dalai Lama. Wenn ein Kunde fragte, welches Buch er vom Dalai Lama lesen sollte, antwortete ich: »Keines. Lesen Sie lieber ›Roter Mohn‹ von Alai, dieses Buch zeigt Ihnen Tibet, wie Sie es noch nicht kennen, und ist erst noch viel spannender!«
Bernhard Spiessberger
Verlagsvertreter
Weil... man den Fürstensohn und weisen Idioten am Ende des Romans, bei aller Ungerechtigkeit der Verhältnisse, nur ungern in seiner schwindenden Welt zurück lässt. Ein Abgesang auf das alte, feudale Tibet, das mit der Okkupation Chinas sein Ende fand.

Autoren-Seiten

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Cover
»Alai ist einer der wirklich raren Glücksfälle der Gegenwartsliteratur.« Märkische Allgemeine Zeitung

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Bibliografie

Originaltitel: »Chen’ai luoding« (Peking, 1998)
Originalsprache: Chinesisch
Erstauflage: 18.7.2005
Auflage: 3