Yitzhak Laor

Ecce homo

Roman
Aus dem Hebräischen von Markus Lemke
»Laor spricht aus ›hundert Mündern‹. Die Geschichten von Frauen und Männern, Juden und Arabern, Tätern und Opfern verzweigen, verlieren sich. Erinnerungen vermischen sich mit Sehnsüchten.«
Sigrid Brinkmann, Berliner Zeitung
 Hardcover
€ 24.90, FR 35.90, €[A] 25.60
gebunden
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608 Seiten
ISBN 978-3-293-00353-8
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Eine Odyssee durch Tel Aviv zur Zeit des zweiten Golfkriegs: Adam Lotem, General der israelischen Armee, ist auf der Suche nach den Bildern von Luca Signorelli und nach der geheimnisvollen Shulamit, der er in der Bibliothek der Universität begegnet und die sich ihm immer wieder entzieht. Mehr und mehr bedrängt ihn seine Vergangenheit, alles kreist um die entscheidende Begebenheit: wie vor Jahren während einer verdeckten Operation ein als arabischer Hirte getarnter Soldat durch seine Kameraden getötet wurde. In einer wahnwitzigen Aktion will Lotem die quälenden Erinnerungen auslöschen.

Stimmen

»Der Autor nennt den Text selbst ein operettenhaftes Puppentheater. Man kann ihn auch als Odyssee durch die ›Psyche‹ Israels bezeichnen: eine Gesellschaft im Kriegszustand, in der die Gewalt alle menschlichen Beziehungen prägt. Der Holocaust bildet die Hintergrundfolie, auf der Rassismus, Lüge und Ausgrenzung nach innen und außen in der heutigen israelischen Gesellschaft gedeihen. Sicher sind die Charaktere – satirisch, operettenhaft – überzeichnet. Trotzdem lässt einen das Grauen während der 600 Seiten Lektüre nicht los. Man steht im Schatten der acht Meter hohen Betonmauer und durchlebt einen Albtraum: Der Krieg gegen die Palästinenser hallt im Innersten Israels gewaltig nach.«

Hanna Mittelstädt, Die Aktion - Zeitschrift für Politik, Literatur, Kunst, Hamburg

»Ein Roman über das gegenwärtige Israel, seine Zerrissenheit und Identitätssuche, seine nationalen Mythen und politischen Verfehlungen. Er verschafft einen Zugang zu Israel und zu den Befindlichkeiten der Menschen – Araber wie Juden. Laors Werk erinnert an die Schelmenromane und Groß–Satiren der frühen Neuzeit. Als Außenseiter verulkt er die politische Herrenkaste, die Armee als Staat im Staat, die Medien und die – seinem Urteil nach – verflachte Religion.«

Hellmut Fried, G/Geschichte, Nürnberg

»Bei aller Drastik sind die Schilderungen freizügiger Sexualität ungemein wendig und psychologisch einfühlsam geschrieben. Pralles Leben und Tod stoßen aufeinander: Ecce homo. Die Geschicke der Familien, der Liebespaare und einsamen alten Leute offenbaren auch Schreckliches. Juden, die vor Verfolgung und Ermordung nach Israel geflohen waren, die ihre Familie in der Schoah verloren haben, treffen auf Leute, die ihre Rolle im Nationalsozialismus gespielt haben. Es gibt keine einfache Aufteilung der Welt in gut und böse.«

Una Pfau, Stuttgarter Zeitung, Stuttgart

»Laors Werk erinnert an die Schelmenromane und Groß-Satiren der frühen Neuzeit. Mit der vitalen Obszönität eines Rabelais, der gallenbitteren Gesellschaftskritik eines Swift und den befreienden Vulgarismen grobianischer Epik rennt er in seiner unendlichen Geschichte gegen die Fundamente der israelischen Gesellschaft an. Als Außenseiter verulkt er die politische Herrenkaste, die Armee als Staat im Staat, die gleichgeschalteten Medien und die zum Comic-Ritual verflachte Religion. In diesen manchmal blasphemischen Lachsalven gehen die literarischen Anspielungen auf Homer, Dante, Goethe und Celan fast unter. Trotzdem sollte Laors grandioses Œeuvre in erster Linie nicht als politisches Pamphlet, sondern als ein viele Dimensionen sprengendes sprachliches Kunstwerk gelesen werden.«

Herbert Gebert, Nürnberger Zeitung

»Wirkungsvoller sind bislang in der zeitgenössischen israelischen Literatur das Armeewesen und die von ihm infiltrierten Bildungseinrichtungen nicht demontiert worden. Der Ton wechselt ständig: mal flüsternd, mal großmäulig, mal zärtlich, obszön, stotternd und heiser, mal demütig oder verächtlich versuchen seine Figuren Wirklichkeiten zu durchdringen.«

Sigrid Brinkmann, Freitag, Berlin  Online einsehen

»Laor ergreift Partei. Seine Romanfiguren stehen überwiegend auf der Seite der Araber. Kein nicht-israelischer Autor könnte vergleichbare Positionen einnehmen, ohne des Anti-Semitismus beschuldigt zu werden. Mit seinem Mut hat sich Laor weltweit Achtung erworben, ebenso wie bei den Pazifisten im eigenen Land.«

Wolf Peter Schnetz, Nürnberger Nachrichten

»Laor hat einen großartigen Roman über das gegenwärtige Israel, seine Zerrissenheit und Identitässuche, seine nationalen Mythen und politischen Verfehlungen geschrieben. Die Lektüre fordert ein Höchstmaß an Konzentration, mutet dem Leser einiges zu. Eine Zumutung jedoch, die sich lohnt, denn einfacher ist die Wirklichkeit nicht zu haben.«

Thomas Meissner, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Unabhängig davon, wie man politisch zu Laors Attacke steht: ›Ecce Homo‹ ist ein großer Roman über die Problematik des Nahen Ostens und über den schmalen Entscheidungsspielraum des Einzelnen, voll vehementer Leidenschaft. Das Scheitern der so oder so engagierten Menschen, die Laor schafft, meint auch das Scheitern einer Politik, für die er gelegentlich das Wort Kolonialismus benutzt.«

Rainer Hartmann, Kölner Stadtanzeiger

»Aus einem Geflecht von Short Cuts mit Rückblicken und Querverweisen, aus ständig neu aufkreuzenden Lebenslinien ergibt sich das Weichbild einer gefährlich angeschlagenen Zivilisation. Die Beherrschungsstrategien des allmächtigen Generals erscheinen konfus und ein Ziel schemenhaft: Lotem, zu spät von Zweifeln befallen, will die von ihm selbst gegründeten Spezialkommandos in einer manipulierten Geheimaktion auflaufen lassen und öffentlich blamieren. Die Pointe des bissigen Moralisten Laor kommt ganz am Schluss. Mit ›Hiné Adam – hier ist ein Mensch‹ wird ein Kind der Hoffnung begrüsst. Es wird in Deutschland geboren, als Sohn eines Deserteurs, der in der Uniform des ›Operettengenerals‹ flüchtet und sich dem grossen Chaos entzieht.«

Der Bund, Bern  Online einsehen

»›Ecce Homo‹ verschafft einen Zugang zu Israel und zu den Befindlichkeiten der Menschen – Araber wie Juden. Zudem liegt ein Rätselraster von literarischen Zitaten quer durch die Weltliteratur, von Seitenhieben und satirischen Anspielungen auf Israel, Italien und Deutschland über dem gesamten Roman.«

Hamburger Abendblatt

»Vor dem Hintergrund des ersten Golfkrieges 1990 lässt Laor seinen Helden – ›so eine Art Werther mit gequetschten Hoden‹ – auf der Suche nach seinem Liebesobjekt und dem eigenen Gewissen durch Gegenwart und Vergangenheit irren. In Rückblenden erfahren wir von Opfern und Tätern, von verzweifelten Frauen, die um Anerkennung oder pubertierende Söhne kämpfen, von müden Kriegern, die beginnen, an sich zu zweifeln, von Liebe und Freundschaft, und nicht zuletzt von den zentralen Konflikten der israelischen Gesellschaft.«

Anke Breitmaier, Associated Press, Frankfurt

»In einer wahnwitzigen selbstmörderischen Aktion versucht Lotem, sich von seinen quälenden Erinnerungen zu befreien. Satire und düsteres Drama in einem, entwirft Laor ein äußerst vielschichtiges Panorama der israelischen Gesellschaft und ihres zentralen Konflikts.«

Jüdische Zeitung, Berlin

»›Ecce Homo‹ ist gleichzeitig: ein jüdischer Campusroman voll geiler oder eitler Bildungsgecken, eine böse wie bittere Groteske über die Rückwärtsgewandtheit nationaler und individueller Identität, ein herrlich verqueres Sammelsurium von Verrückten, die die Liebe, das Leben oder den Tod suchen und manchmal sogar finden.«

Katrin Schuster, Berliner Zeitung

»So beißend Laors Kritik auch ist – sie ist nicht ohne Mitgefühl und auch nicht ganz ohne Hoffnung.«

Katharina Döbler, Deutschlandradio, Berlin  Online einsehen

»In zahlreichen kleinen Kapiteln, mit teilweise überbordenden sexuellen Derbheiten, zeichnet Laor ein Kaleidoskop einer seelisch verletzten Gesellschaft. ›Ecce homo‹ ist ein wortgewaltiger, sarkastischer, phasenweise zynischer Protest gegen ein beschädigtes Leben. Ein Roman, der herausfordert.«

Anton Philipp Knittel, Südkurier, Konstanz

»Ein 600 Seiten langer Aufschrei, ein ätzend böser, fulminanter Roman. Die Geschichten darin sind derart virtuos komponiert, verästelt und verrätselt, dass dem Leser schnell die Übersicht abhanden kommt, wenn er nicht Papier und Bleistift bereitlegt. Laors dichte Prosa ist derb und brutal, voller vulgärer Obszönität. Aber auch wenn Laor in ›Ecce homo‹ konventioneller und luftiger erzählt, haben wir es mit einem mächtigen Roman zu tun. Schwer verdaulich hinterlässt er seinem sprühenden Witz zum Trotz einen bleiernen Albdruck.«

Andreas Pflitsch, Der Tagesspiegel, Berlin  Online einsehen

»Yitzhak Laor taucht in das Leben seiner Figuren ein, deren Wege sich kreuzen und zwischen denen tausendundeine überraschende Verbindung entsteht. Brillante Satire, gewagte Parodie und bitterböses Porträt des heutigen Israel: Laor zeigt eine Gesellschaft, die sich ihrer Vergangenheit stellen muss.«

Pforzheimer Zeitung

»Der Roman beginnt als großartige Satire auf den Akademie-Betrieb, weil auch der von der Armee infiltriert wird. Laor spannt Fangstricke. Der General, der zahllose Pläne zur Niederschlagung kommender palästinensischer Revolten ersann und Todesschwadrone befehligte, wird zum Spielball einer Kunsthistorikerin. Diese unterstützt die Rückkehrbewegung vertriebener Palästinenser. Sie spürt, dass Adam Lotem sie begehrt und benutzt den Geheimnisträger als potentiellen Informanten. In Rückblenden, in mäandernden Plaudereien, obszönen Fantasien, poetischen Traumbildern und parabelhaften Szenen vernetzt Yitzhak Laor das Leben seiner Charaktere. Sie sind ortlos, randständig und zerrissen. Laors Blick auf ihr Falschspiel, ihre Herzensträgheit, ihr Unglück wie auch ihre Verwegenheit ist sarkastisch, doch erfindet er immer auch Szenen, die den Leser Empathie empfinden lassen mit den zwanghaft Agierenden.«

Sigrid Brinkmann, Deutsche Welle, Bonn  Online einsehen
 

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Andere Werke von Yitzhak Laor

Cover
»Yitzhak Laor, das Enfant terrible der israelischen Literatur, hat den vermutlich radikalsten Roman der Saison vorgelegt.« Gunhild Kübler, NZZ am Sonntag

Andere Werke von Markus Lemke

Cover
»Yitzhak Laor, das Enfant terrible der israelischen Literatur, hat den vermutlich radikalsten Roman der Saison vorgelegt.« Gunhild Kübler, NZZ am Sonntag

Bibliografie

Originaltitel: Hine Adam (2002)
Originalsprache: Hebräisch
Erstauflage: 26.7.2005
Auflage: 1