Yaşar Kemal

Der Sturm der Gazellen

Roman
Aus dem Türkischen von Cornelius Bischoff
Die Insel-Romane II
»Er greift weit in die Geschichte zurück und befasst sich dennoch mit einem der brennenden Themen der Gegenwart.« Neue Ruhr-Zeitung
 Taschenbuch
€ 12.90, FR 19.90, €[A] 13.30
Broschiert
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UT 412
448 Seiten
ISBN 978-3-293-20412-6
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Die paradiesische Insel in der Ägäis war menschenleer, nachdem die griechischen Bewohner nach dem Ersten Weltkrieg vertrieben wurden. Nach und nach stranden hier ihre neuen Bewohner, eine bunte Schar aus allen Winkeln des alten Osmanischen Reiches. Jeder hat tausend Geschichten zu erzählen und ebenso viele Geheimnisse zu verschweigen, jeder ist gezeichnet von Abenteuern, Heimsuchungen und Albträumen. Sie alle versuchen, heimisch zu werden auf diesem Flecken Land, während in ganz Anatolien noch Millionen auf der Flucht sind.
Griechen, Türken, Kurden, Armenier, Jesiden, ob Christ, Alevit, Muslim oder Atheist – jeder auf dieser Insel wird von seinen Erinnerungen heimgesucht. Allmählich finden sie zueinander und werden zu einer verschworenen Gemeinschaft, auf die bereits neue Bewährungsproben warten.
Yasar Kemal erweist sich mit diesem Roman wieder als der herausragende Schriftsteller Anatoliens. Aus der Fülle eigenen Erlebens und lebenslangen Forschens verbindet er uralte Traditionen mit den Anliegen unserer Gegenwart.

»Genozid und Ökozid – dies sind die beiden großen Katastrophen unseres Jahrhunderts. Diese Tragödien sind Teil meines Lebens und Werkes.« Yasar Kemal

Stimmen

»Wunderschön erzählt, ein ergreifendes Meisterwerk.«

Für Sie, Hamburg

»Der Mann kann schreiben. Und wie! Mitreißend, wortmächtig, magisch, farbenprächtig und ausgesprochen versöhnend.«

Nevfel Cumart, Nürnberger Nachrichten

»›Der Sturm der Gazellen‹ ist eine pralle Geschichte voll Verzweiflung und Hoffnung, geprägt von fest verwurzelten Traditionen im Widerstreit mit der beginnenden Moderne. Und es ist Yasar Kemals sinnlicher Erzählkunst zu verdanken, dass dieses kleine Epos dem Leser dargeboten wird wie ein Menü, dessen Gerüche einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.«

Anke Zimmer, Fuldaer Zeitung

»Ein schonungsloser Blick auf ein verdrängtes Kapitel türkischer Geschichte und ein eindringliches Plädoyer gegen jede Form von Vertreibung.«

Münchner Merkur

»Nicht nur Historisches bietet Yasar Kemal auf der groß angelegten Bühne seines neuen Romans auf. Denn die aus ihrer jeweiligen Heimat in Anatolien, Kurdistan, Mesopotamien oder auch Kreta vertriebenen Menschen berichten von ihrem verlorenen Zuhause, erzählen die Geschichten ihrer Völker und besingen deren Mythen. So entsteht in Kemals Roman ein vielfarbiges und vielstimmiges Bild einer über Jahrhunderte gewachsenen Mischkultur in diesen Regionen, die damals aufgrund nationalistischer und weltpolitischer Interessen brutal zerschlagen wurde.«

Thomas Plaul, Saarländischer Rundfunk, Saarbrücken

»An den Schicksalen der Vertriebenen spiegelt Kemal die politischen Wirren zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts wider: die Balkankriege und der Erste Weltkrieg, der endgültige Niedergang des Osmanischen Reiches und die Gründung des türkischen Staates unter Kemal Atatürk sowie der griechisch-türkische Krieg, der das jahrtausendalte Griechentum in Kleinasien auslöschte. Mit der fiktiven Ameiseninsel und ihren wenigen, ganz unterschiedlichen Siedlern hat der Autor einen Mikrokosmos geschaffen, in dem er die komplexen historischen Vorgänge der Zeit und deren Auswirkungen auf die Menschen anschaulich darzustellen vermag.«

Thomas Plaul, Saarländischer Rundfunk

»Es ist ein grandioses Vergnügen, mit dem Autor und seinen Figuren über die Insel zu streifen, die Sonne auf den Berghängen zu spüren, das Meer glitzern zu sehen und den betörenden Duft der Veilchen zu riechen. Zutiefst moralisch, vor allem aber ungeheuer menschlich erzählt er darin von den Schicksalen der kleinen und großen Leute, die vom Mühlrad der Geschichte zerrieben werden. Kemals kraftvolle, warmherzige Geschichten von Musa, Vasili, von Lena und Veli machen melancholisch, machen glücklich, machen süchtig.«

Karin E. Yesilada, Westdeutscher Rundfunk, Köln

»Eine Wundertüte voller Geschichten, die von einer zerstörten kulturellen Vilefalt und von einem großen Verbrechen an der Menschheit erzählen und somit dazu beitragen, dass dies nicht dem Vergessen anheim fällt.«

Thomas Plaul, Griechenland Zeitung, Athen

»Eine spannende Erzählung, die der Leser so leicht nicht vergessen wird. Der Autor versteht es, seine Leser in das Geschehen einzubeziehen, wie man es sich öfter bei ähnlichen Romanen wünschen möchte.«

Herbert Ossowski, Der evangelische Buchberater, Göttingen

»Kemal nutzt die Berufe seiner Protagonisten zu poetischen Exkursen über Pferde- und Bienenzucht, Fischfang und Volksmusik. In vielfach verschachtelten Rückblenden lässt er seine Romanfiguren aber auch immer wieder von dem berichten, was ihr Leben verdüsterte: der Krieg mit seinem Grauen. Die peinigende Erinnerung daran ist zumeist nur mit einem im Märchenton kaschierten Sarkasmus zu ertragen und zu vermitteln. Auch in diesem Roman gelingt es ihm, diese Tragödien zum Nährboden für die Träume von großzügigen und durch Erfahrung belehrten Welt zu machen.«

Renate Wiggershaus, Neue Zürcher Zeitung

»Ob Griechen, Türken, Kurden, Armenier, jeder versucht auf seine Weise, heimisch zu werden, während Millionen noch auf der Flucht sind. Und jeder bringt Geschichten aus seiner Heimat mit, die Kemal in poetische Worte verpackt. Eine meisterhafte Erzählung, trotz des düsteren Themas.«

Schweizer Familie, Zürich

»Yaşar Kemal beschreibt auf berührende Art und Weise das traurige Schicksal eines Landes und seiner vielen Völker, die immer und immer wieder dazu verdammt werden, sich gegenseitig zu zerstören.«

Veronika Gutzwiller, Das Netzmagazin  Online einsehen

»Jahrelang hat sich Kemal mit seiner störrischen Haltung Schwierigkeiten eingehandelt, die ihm Gefängnis und Folter einbrachten. Und schon wieder erzählt er davon, wie staatliche Gewalt Armenier und Kurden heimsuchte und wie im Ersten Weltkrieg junge Soldaten sinnlos in den Tod geschickt wurden. Alles, was Kemal schreibt, macht den Eindruck einer Gegengeschichte zur offiziellen türkischen Geschichtsschreibung.«

Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten, Salzburg

»Ein ergreifender Roman, der Mahnung und hoffnungsvolle Vision zugleich ist: ›Warum dieser Krieg, diese Blindheit gegenüber den fließenden Wassern, den Schmetterlingen auf den Blättern, obwohl die Menschen sich für Schönheit so begeistern können?‹«

Regina Karachouli, Sächsische Zeitung, Dresden

»Yaşar Kemal, dessen bewegte Biografie ausreichend Stoff böte für einen eigenen Roman, erzählt in einer orientalisch anmutenden Sprache voll wunderbarer, bedeutungsschwerer Bilder von der Verzweiflung und dem Überlebenskampf einfacher Menschen, die zwischen die Mahlsteine der Kriegsparteien und der Mächtigen im eigenen Land geraten sind. Der Leser lässt sich mit allen seinen Sinnen in die Geschichte entführen, die doch eigentlich ein Konglomerat von einzelnen Geschichten ist, welche langsam ineinander wachsen. Und so treibt die Geschichte aus Geschichten langsam, intensiv, aufklärend und rätselhaft zugleich voran, auf einen nächsten Band zu, den Kemal, der Trilogien zu lieben scheint, dem Leser hoffentlich nicht zu lange vorenthält.«

Regina Károlyi, sandammeer.at, Wien

»Kemal erzählt meisterhaft, ausladend und prall die Geschichte und die Lebensumstände dieser so unterschiedlichen Menschen, die das Schicksal vermeintlich zufällig zusammengeführt hat.«

Main-Post, Würzburg
 

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Bibliografie

Originaltitel: Karincanin Su Içtigi (2002)
Originalsprache: Türkisch
Erstauflage: 18.2.2008
Auflage: 1