Miral al-Tahawi

Gazellenspuren

Roman
Aus dem Arabischen von Doris Kilias
»Die ganze Geschichte lag vor mir, und ich bin ihren Spuren gefolgt – wie eine unruhige Gazellenmutter, von deren Kindern sich am Boden nur noch schwache Spuren finden und die am Himmel als Sterne funkeln.« Miral al-Tahawi
 Taschenbuch
€ 7.90, FR 11.90, €[A] 8.20
Broschiert
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UT 410
144 Seiten
ISBN 978-3-293-20410-2
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Die Bilder im alten Haus am Nil sind Muhra seit ihrer Kindheit vertraut. Da ist zum Beispiel das Foto der drei Schwestern mit den bunten Schleifen im Haar. Oder ein Gemälde, von einem durchreisenden Franzosen gemalt: Beduinen sitzen um ein Feuer und sehen einer verschleierten Frau beim Tanz zu. Und von ihrem Vater gibt es Fotos mit seinem Lieblingsfalken und mit edlen Araberpferden.
Jedes der Bilder birgt ein Geheimnis. Welche der drei Schwestern ist Muhras Mutter? Wer ist die tanzende Frau am Feuer? Weshalb nahm der Vater für reiche Ölscheiche an Falkenjagden teil, die nichts als eine Farce waren? Muhra will die Wahrheit wissen und sucht ihre Spuren in Erinnerungsfetzen, in den Geschichten der Alten, in versteckten Aufzeichnungen und Skizzen.

Stimmen

»Al-Tahawi lüftet gleichermaßen den Schleier und erlaubt einen Blick in eine uns fremde, aber dennoch faszinierende Welt weit entfernt von den Märchenwelten von Tausendundeiner Nacht. Sie erzählt symbolreich und bildgewaltig, hält ihre Sprache aber dennoch nüchtern und karg und spiegelt damit wohl auch die Poesie der Wüste.«

Heinz Storrer, Schweizer Familie, Zürich

»Die Autorin deutet in diesem Roman mehr an, als dass sie erklärt. So schickt sie nicht nur das Mädchen Muhra auf Spurensuche, sondern auch die Lesenden. Aus Fragmenten und Andeutungen setzt sich das Bild einer Frau zusammen, die sich nicht anpassen will. Aufbegehren endet im Desaster, denn die Selbstverwirklichung von Frauen hat in der patriarchalischen Stammesgesellschaft keinen Platz. Eine Welt von Frauen, aber dominiert von Männern. Auch der dritte Roman von Miral al-Tahawi lebt von der poetischen Sprache, von wunderbaren Bildern und von der Rätselhaftigkeit. Die verschlungene Erzählung ist nicht einfach zu lesen. Trotzdem oder gerade deshalb ist das kleine Buch sehr zu empfehlen.«

Literatur global, Riehen

»Der Roman, in dessen Mittelpunkt die junge Frau Muhra steht, erlaubt Einblicke in Familienschicksale, Traditionen und Überzeugungen der arabischen Oberschicht im Ägypten von Muhras Vorfahren. Miral al-Tahawi präsentiert keine leichte Kost, aber eine Erzählung mit vielen einzelnen Facetten.«

Silvia Vogt, Associated Press Nachrichtenagentur, Frankfurt/Main

»Der Leser durchlebt in diesem Roman ein familiäres Labyrinth. Alles ist voller Geräusch: Bienen vor dichten Maulbeerbäumen, Kupferkessel am Feuer, Kinder beim Spiel. Bilder des Glücks, der Trauer und der Liebe ziehen vorbei. Fabulieren kann Miral al-Tahawi, zumal sie Schicksalen nachgeht, deren erzählerische Fäden zuweilen weit in Raum und Zeit gespannt sind. Wohl vergingen einige Traditionen völlig, denn wer pilgert noch mit der Karawane nach Mekka? Dafür werden andere neu arrangiert wie die Jagd mit Hubschraubern, an denen Videokameras befestigt sind, damit die Scheichs am abendlichen Feuer Szenen wieder und wieder sehen und erörtern können. Schließlich kommen Traditionen neu auf: Wie oft wird aus einem Beduinenkind eine begabte Poetin? Diese Familiensaga ist ein kunstvolles Wegzeichen.«

Wolfgang G. Schwanitz, LISAN, Basel

»Ein poetischer, kunstvoll konstruierter Roman, der schon nach kurzer Lektüre verzaubert und in seinen Bann zieht. Breit empfohlen.«

Daniela Neuenfeld-Zvolsky, EKZ Bibliotheksservice, Reutlingen

»Die Autorin begibt sich auf verschlungene Erzählpfade und beschreibt virtuos die Traditionen einer einst reichen und mächtigen Beduinenfamilie, die im Nildelta Pferde- und Falkenzucht betreibt. Im Roman verkommt das ehemals stolze Beduinenleben zur Farce, die Falkenzucht lockt Ölscheichs an, die ihrem Luxushobby nachgehen, aber das Leben mit den Falken nicht verstehen, die Zelte verfallen, die Zeit der patriarchalischen Kultur scheint zu Ende zu sein.«

Petra Klein, Die Märkische, Potsdam

»Auch der dritte Roman von Miral al-Tahawi lebt von der poetischen Sprache, von wunderbaren Bildern und von der Rätselhaftigkeit. Die verschlungene Erzählung ist nicht einfach zu lesen. Trotzdem oder gerade deshalb ist das kleine Buch sehr zu empfehlen.«

Literaturnachrichten, Frankfurt/Main

»Ein Buch über die Macht der Erinnerung. Der Blick geht hinein ins Innere einer Familie, verknüpft assoziativ die Schicksale von Menschen dreier Generationen. Die Sprache ist bildhaft und klar, ein ruhiger Erzählfluss, schwerelos, fast meditativ.«

Andrea Mirbeth, Bayerischer Rundfunk, München

»Aus Andeutungen webt Miral al-Tahawi ein luftiges, schleierartiges Text-Gewebe, durch das das Gefüge aus der strukturellen, patriarchalen Macht der Männer und der Ohnmacht und Angst der Frauen durchscheint.«

Eleonore Schmitt, Buchprofile, München/Bonn

»Miral al-Tahawi ist eine virtuose Erzählerin, Traumsequenzen und Erinnerungsfetzen werden in ihrem ›nouveau roman oriental‹ zu einem poetischen Irrgarten von melancholischer Schönheit arrangiert, in dem jede Figur ein Gedicht in Prosa ist. Die übermächtige Großmutter, der herrisch-brutale Großvater, der meistens abwesende, intellektuelle Vater, der zwischen der Beduinenwelt und der Moderne schwankt. Schließlich die unglücklichen drei Schwestern, die von der Wüste und den Konventionen wie von einem Gefängnis eingeschlossen werden und daran zugrunde gehen. Auf jeder Frage lastet ein Tabu, jede mögliche Antwort klingt nach einem Skandal. Der Boden, der einst und traditionell den Töchtern gehörte, ist längst verkauft, die Pferde sind verschwunden, die Zelte allenfalls Dekoration. Der Onkel lebt in Amerika, vom Erlös seines Beduinenerbes eröffnete er dort eine eigene Tankstelle; die Falkenjagd, auf die der Vater so stolz war, verkommt zum profanen Hobby für reiche Ölscheichs aus Saudi-Arabien, die in den Tieren Luxusgüter und in dem stolzen Beduinenoberhaupt nichts als einen Dienstleister sehen. Das Anwesen verfällt, die Wüstenoase wird zum tschechowschen Kirschgarten, den die Erzählerin verlassen muss, will sie dem Kreis der Bedrückung entfliehen.«

Sabine Berking, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»In neun Episoden setzt Miral al-Tahawi eine spannende und bewegende Familiengeschichte aus den Bildern zusammen. Was anfangs fast zu schnell detailreich und genau beschrieben wird, fügt sich wie in einem literarischen Puzzle in einen Gesamtkontext: Die fiktive Sammelarbeit wirft ein einzigartiges Licht auf den Wandel der Beduinen-Familien, die in der ägyptischen Gesellschaft eine Sonderrolle einnahmen und -nehmen. Miral al-Tahawi schwelgt hier allerdings nicht in Erinnerung an verlorene Traditionen. Ihr Buch ist voll von Ansätzen, die die Brüche in der islamischen Welt besser verstehen lassen. Ihre Sprachkraft ist dabei auch in diesem kurzen Roman ungebändigt.«

Markus Kilp, Freies Radio Paderborn, Paderborn
 

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Andere Werke von Miral al-Tahawi

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»Diese Geschichte einer umgekehrten Bekehrung hat gesellschaftliche Sprengkraft.« Stefan Weidner, Neue Zürcher Zeitung
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»Ein verstörendes und beglückendes Stück Literatur.« Egypt Insight Magazine

Andere Werke von Doris Kilias

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»Packende Dialoge, ein fundierter Einblick in die ägyptische Gesellschaft und eine Innenschau in die Seelenlage der Menschen, deren Ideale und Schwächen.« Special to Review
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»Träume sind eine Realität, in der die Grenzen des Alltäglichen nicht mehr existieren.« Nagib Machfus
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Die schöne Kurtisane Radubis, von der schon Herodot berichtete, wird in Nagib Machfus’ Roman zur zentralen Figur in einem groß angelegten Panorama des alten Ägypten.
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Eine vergangene Welt wird lebendig mit ihren Palästen und Tempeln, Priestern und Sklavinnen, Handwerkern und Beduinen.
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Eine abenteuerliche Reise zum Ende der Welt und eine Reise zum eigenen Selbst. Machfus nimmt sich die großen Reisenden aus der Blütezeit des Islam zum Vorbild für Ibn Fattumas Entdeckung ganz und gar heutiger Lebensentwürfe und Utopien.
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»Was geht dich das alles an? Warum sitzt du hier herum und hörst Dir Dinge an, die dich einen Dreck kümmern?«
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Ein farbenprächtiges Kaleidoskop, in dem eine ganze Epoche und ihre Menschen lebendig werden.
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»Diese Geschichte einer umgekehrten Bekehrung hat gesellschaftliche Sprengkraft.« Stefan Weidner, Neue Zürcher Zeitung
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»Mit wunderbar leichter Hand geschrieben – wie sie nur wenige Autoren auf dem Gipfel ihrer Meisterschaft erlangen.« Freitag
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»Ein verstörendes und beglückendes Stück Literatur.« Egypt Insight Magazine
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»Zwischen Himmel und Erde, zwischen Gold und Dornen gibt es zahlreiche Wege.« Nagib Machfus
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»Gewiss ist dieses Alterswerk auch als ein Credo des ägyptischen Nobelpreisträgers zu lesen, der als Achtzigjähriger bekannte, er spüre, dass die Grundlage seines Lebens auf Erden einzig die Liebe war.« Sächsische Zeitung
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»Mit der Weisheit des Alters und einer unerschlöpflichen, augenzwinkernden Fabulierkunst mischt Machfus Phantastisches mit Profanem.« Regina Karachouli, Sächsische Zeitung
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»Wer dieses Werk liest, wird mit Vergnügen und Dankbarkeit Erkenntnis finden - durch etwas, das als wunderlicher Anachronismus gilt: Weisheit. Machfus besitzt sie.« Nadine Gordimer
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Die drei Bände der Kairoer Trilogie: »Der Baedeker zu Ägyptens Seele.« Newsweek
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»Pflichtlektüre nicht nur für Amtsstuben!« Dresdner Neueste Nachrichten
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»Als ich begann, Romane zu schreiben, hielt ich die europäische Form des Romans für unantastbar. Aber man wird älter und sieht die Dinge anders. Und man sucht nach einem eigenen Ton, ganz tief in sich selbst.« Nagib Machfus
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Der dritte Band der Kairo-Trilogie: »Reich die Zusammenhänge der religiös-sozialen Lebensabläufe, tief die einfließende Psychologie, modern der trotzig aufbegehrende innere Monolog, lebendig Licht und Schatten.« Die Presse, Wien
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Der zweite Band der Kairo-Trilogie: »Nirgends zuvor hat sich ein arabischer Autor mit soviel Selbstironie an Sentimentales gewagt, mit soviel Augenzwinkern und derber Komik, Lust und Gier beschrieben.« Berliner Zeitung
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»In seinem allegorischen Realismus stellt das Buch eine scharfe Anklage dar gegen die geistigen Verführer, die aufwiegeln, statt aufzuklären, und dann zu Verrätern werden.« Frankfurter Rundschau
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Der erste Band der Kairoer Trilogie: »Der Baedeker zu Ägyptens Seele.« Newsweek
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»Es ist nicht unbedingt die Norm, dass eine Rezensentin bei dem Werk eines Nobelpreisträgers zuerst die rechte und dann erst die linke Seite liest, weil sie es nicht aushalten kann vor Spannung.« Schweizer Bibliotheksdienst
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»Über kein anderes Buch ist so viel Tinte geflossen wie über diese Parabel, die jahrzehntelang Kontroversen und leidenschaftliche Debatten ausgelöst hat.« Süddeutsche Zeitung
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»Die Gasse ist für mich das Symbol für die ganze Welt, und je nachdem, wie ich sie haben wollte, habe ich sie geformt.« Nagib Machfus

Bibliografie

Originaltitel: Naqarat az-Ziba (Kairo, 2002)
Originalsprache: Arabisch
Erstauflage: 18.2.2008
Auflage: 1