Werner Wollenberger

Werner Wollenberger (1927–1982) war ein Schweizer Schriftsteller und Publizist. Bekanntheit erlangte er in jungen Jahren mit seinen satirischen Texten für den Nebelspalter und das Cabaret Federal. Er prägte die deutschsprachige Kabarettszene der Nachkriegszeit als einer ihrer beliebtesten Autoren und schrieb später für Radio, Film, Fernsehen und die Bühne, für die Zürcher Woche, die Neue Presse, die Weltwoche und viele mehr. Sein Werk zeugt von einer in seiner Zeit ungewöhnlichen, engagierten Präsenz.

Ausführliche Biografie

Werner Wollenberger wurde am 6. Juni 1927 in Heilbronn, Deutschland, geboren. Mit seiner Familie emigrierte er 1933 nach Basel. Die Schuljahre verbrachte er bis zur Matura 1945 im Collegium Marianum in Vaduz. Schon während seines Studiums der Germanistik in Basel schrieb er für die Basler Nachrichten und den Nebelspalter. 1948 bis 1951 war er Textautor beim Cabaret Kikeriki in Basel und arbeitete mit César Keiser zusammen. Mit seinen scharfen politischen Sketchen und poetischen Chansons fiel er auf und wurde 1949 von Otto Weissert, dem Gründer des legendären Cabaret Federal, als Autor engagiert.

Als 1959 das Theater am Hechtplatz eröffnet wurde, schrieb Wollenberger das Eröffnungs-Musical Eusi chlii Stadt, für das Otto Weissert und Hans Moeckel die Musik komponierten. Es spielten unter anderem Zarli Carigiet, Stephanie Glaser, Margrit Rainer und Ruedi Walter. Aus diesem Musical stammt auch Wollenbergers berühmtestes Chanson Mis Dach isch de Himmel vo Züri.

1960 schrieb Wollenberger mit Max Rüeger für das Zürcher Schauspielhaus die Neufassung von Walter Leschs musikalischer Komödie Die kleine Niederdorf-Oper mit der Musik von Paul Burkhard. Daneben verfasste er Hörspiele für Radio Basel, unter anderem Verzell du das am Fährimaa. Seine wöchentliche Satiresendung Der Barbier von Seldwyla mit Walter Roderer wurde schweizweit bekannt. Er arbeitete für alle der nachfolgenden Satire-Sendungen am Schweizer Radio, zum Beispiel für Jetzt schloots 13, Samschtig Mittag und Oder.

Er verfasste die Drehbücher für die Spielfilme Taxichauffeur Bänz (1957), Zum goldenen Ochsen (1958) und SOS Gletscherpilot (1959) mit dem legendären Piloten Hermann Geiger. Für die humoristische Krimiserie Ein Fall für Männdli, eine Produktion von Helmut Dietl für das Deutsche und Schweizer Fernsehen schrieb er ebenfalls die Drehbücher. Auch die deutschen Kabaretts Die kleine Freiheit, Kom(m)ödchen und die Münchner Lach- und Schießgesellschaft spielten seine Texte.

Seine Texte wurden interpretiert von Lukas Ammann, Elsie Attenhofer, Blanche Aubry, Big Zis, Anne-Marie Blanc, Klaus Maria Brandauer, Paul Bühlmann, Zarli Carigiet, Traute Carlsen, Corin Curschellas, Inigo Gallo, Voli Geiler, Stephanie Glaser, Heinrich Gretler, Max Haufler, Grete Heger, Hana Hegerová, Emil Hegetschweiler, Michael von der Heide, Ursula Herking, Christiane Hörbiger, Dodo Hug, César Keiser, Margrit Läubli, Helmut Lohner, Lore Lorentz, Walter Morath, Simone Müller, Liselotte Pulver, Margrit Rainer, Walter Roderer, Maria Schell, Maximilian Schell, Jörg Schneider, Emil Steinberger, Schaggi Streuli, Fred Tanner, Ines Torelli, Helen Vita, Ruedi Walter, Peter Weck, und viele mehr. Insgesamt hat er über 500 Chansons geschrieben.

Seine journalistische Laufbahn war vielseitig und setzte starke Akzente in der schweizerischen Presselandschaft. Er war mit Roman Brodmann Chefredakteur der 1962 gegründeten nonkonformistischen Wochenzeitschrift Zürcher Woche, wo er eng mit Walter Matthias Diggelmann, Friedrich Dürrenmatt, Jürg Federspiel und Jürg Ramspeck zusammenarbeitete. Als Kolumnist und scharfzüngiger Theater- und Filmkritiker schrieb er regelmäßig für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften im deutschen Sprachraum.

Ab 1967 betreute und moderierte er beim Schweizer Fernsehen die erste deutschsprachige Filmsendung und interviewte zum Beispiel Charlie Chaplin, Alfred Hitchcock, Audrey Hepburn, Elia Kazan, Joseph Losey, Louis Malle, François Truffaut und Fred Zinnemann. 1970 wurde er Dramaturg und künstlerischer Berater am Zürcher Schauspielhaus unter Direktor Harry Buckwitz. Er übersetzte Stücke von Edward Bond, Agatha Christie, Ephraim Kishon und betreute u.a. die Uraufführungen von Friedrich Dürrenmatt.

Er lebte ab 1960 in Unterengstringen bei Zürich. 1978 wurde Werner Wollenberger dort eingebürgert. 1980 erkrankte er an Krebs und starb am 17. Oktober 1982. 2003 wurde in Zürich die Werner Wollenberger Stiftung gegründet, die seinen umfangreichen literarischen Nachlass betreut und zugänglich macht. Mit zwei Matineen am Schauspielhaus Zürich 2003 und 2004 wurde sein Werk geehrt. 2009, 50 Jahre nach der Uraufführung, wurde das Musical Eusi chlii Stadt in einer modernen Adaptation im Theater am Hechtplatz wieder aufgeführt.

Bücher

Ja, aber. Benteli Verlag, Bern 1973 (Kolumnen)

Heiri Gretler. Pendo Verlag, Zürich 1978 (Biografie)

Fast eine Weihnachtsgeschichte. Pendo Verlag, Zürich 1984

(weitere Druckfassung der vorliegenden Erzählung)

Kolumnen aus zwei Jahrzehnten. Pendo Verlag, Zürich 1992

CD (Asuwahl)

Werner Wollenberger, Texte, Vol. 1, Margrit Rainer & Ruedi Walter, Tudor 1995

Werner Wollenberger, Chansons, Vol. 2, Margrit Rainer & Ruedi Walter, Tudor 1996

Walter Roderer interpretiert Texte von Werner Wollenberger, Wollenberger Stiftung 2005

Eusi chlii Stadt, Radiofassung 1959, DRS/Christoph Merian Verlag 2008

Die kleine Niederdorfoper, Radiofassung 1978, DRS/Christoph Merian Verlag 2011

Die kleine Niederdorfoper, Bühnenfassung 2009, Tudor 2009

Verzell du das em Fährimaa, Hörspiel 1953, DRS/Christoph Merian Verlag 2013

(CDs erhältlich unter: www@wollenbergerstiftung.ch)

DVD (Auswahl)

Taxichauffeur Bänz, 1957, Spielfilm, Praesens Film

Zum goldenen Ochsen, 1958, Spielfilm, Praesens Film

SOS Gletscherpilot, 1959, Spielfilm, Praesens Film

Die kleine Niederdorfoper, 1978, Bühnenaufzeichnung, Praesens Film

Ein Fall für Männdli, 1973-1975, TV-Serie, SRF/Telepool

Stimmen

»Wer Werner Wollenberger kannte, wusste um seine intellektuelle Brisanz, die niemals herzlose Ironie, die Wucht oder auch Leichtigkeit seiner Formulierungskunst und seine hierzulande durchaus einmalige Kenntnis der westeuropäisch-amerikanischen Kulturszene, besser gesagt: des Kulturdschungels, in dem er alle Bestien, gute und böse, persönlich gesehen und gesprochen hatte – und jederzeit einfach anrufen konnte.«

Rolf Hochhuth

»Seine Kabinettstücke in satirischer Kurzform über jedes heutige Thema, über das, was Alt und Jung und dich und mich beschäftigt, gehören sprachlich und gedanklich zum Besten, was engagierter Journalismus in unserem Land sein kann.«

César Keiser

»Er war ein Wortmensch, und das Wort beherrschte er gleichermaßen als Akrobat und Eichmeister. Ungenauigkeit und Aufgeblasenheit des Wortes verabscheute er so, wie er sich seiner bezwingenden Kraft und Eleganz hingeben konnte. Ein Wortliebender war er, und das Zeugnis dieser Liebe würde ein Büchergestell füllen, wenn er fähig gewesen wäre, seine eigenen Worte zu sammeln.«

Jürg Ramspeck

»Nicht nur als Mann des Worts muss Wollenberger nachhaltig gewirkt haben; ebenso talentiert schien er als Kamerad und Intimus.«

Daniele Muscionico, NZZ, Zürich  Online einsehen

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    Werke von Werner Wollenberger

    Cover
    Endlich wieder zugänglich: Werner Wollenbergers klassisch gewordene Erzählung, der sich niemand entziehen kann